Freitag, 2. November 2012

Freitags-Füller am 02.11.2012

Schon oft gesehen (und genauso oft im Kopf beantwortet), möchte ich endlich auch bei mir den Freitags-Füller nach der schönen Idee von Barbara einführen.


1. Den 1. November habe ich krank im Bett verbracht - zwischen Thymiantee, Büchern und Taschentüchern.
2. Zum Einschlafen für mich essentiell sind warme Füße.
3. Wenn ich in Amerika wählen dürfte, hätte ich mich schon längst entschieden.
4.  Grundlegende Überlegungen (und den Abwasch) muss ich als nächstes dringend erledigen.
5. Draussen vor der Tür ist's dunkel, nass und kalt .
6.  Ein E-Reader (wer hätte es bei mir gedacht!) war meine letzte Internet-Bestellung.
7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Ruhe und ein gutes Buch , morgen habe ich ein schönes Frühstück geplant und Sonntag möchte ich hier klar Schiff machen!

Lange habe ich nichts gepostet - das soll sich ändern, ich mag diesen Blog wieder aktiver pflegen.

Montag, 2. April 2012

Chucks - Cornelia Travnicek


"Draußen dreht sich die Erde weiter, bis die Dächer Wiens sich vor die Sonne schieben. Das letzte Licht wirft seinen Schein wie ein einzelnes Spotlight auf mich. Das bin ich, sind wir, im Endeffekt: nicht gerne allein." (187)

Diese Erkenntnis steht am Schluss eines Buchs, das vor allem vom Verlust, von Einsamkeit und Rebellion handelt. Und ist so wahr, dass sie beinah weh tut.
Mae, Anfang 20, Trennungskind, hin- und hergeschoben zwischen Vater und Mutter, seit ihr Bruder verstorben ist, lebte vor Kurzem noch auf den Straßen Wiens von Dosenbier, Joghurt und den Gesprächen mit ihrer Punk-Freundin Tamara über Quantenphysik und String-Theorien. Ganz an den Rand der Gesellschaft hatte sie sich zurückgezogen. 
Doch das ist Vergangenheit. Sie wohnt nun bei ihrem Freund Jakob in einer nicht ganz ausgewogenen Beziehung, leistet Sozialstunden im Aids-Hilfe-Haus ab - und lernt dort Paul kennen. Paul, den Infizierten, den Ruhigen, denjenigen, der sie wieder in Kontakt zu sich selbst und ihrem Leben bringt.

In drei Erzählsträngen berichtet uns Mae von ihrem Leben und lässt uns mit ihr die Ereignisse und vor allem ganz starke Emotionen erleben.
Cornelia Travnicek gelingt es, mit ganz wenigen Worten ausgesprochen kraftvolle Bilder und intensive Gefühle heraufzubeschwören. Subtil und knapp, ein wenig sprunghaft, rotzig und sehr sehr plastisch schildert sie die Gegebenheiten und Figuren, ohne sehr ins Detail zu gehen. Trotzdem - oder gerade deshalb - stehen mir sämtliche Figuren sehr bildhaft vor dem inneren Auge.
Mich hat das Buch sehr berührt, auf einer ganz besonderen Ebene. Die Emotionen werden weniger beschrieben als vielmehr im Leser selbst evoziert - durch Leerstellen, Assoziationen und intensive Bilder.
Diese Tiefe und Intensität von "Chucks" werde ich lange nicht vergessen - genauso wenig wie die kraftvolle Metaphorik und die außergewöhnlichen Figuren.

Ein überraschendes Buch. Ein überraschend gutes und starkes Buch, das einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten wird.

Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung und als Antwort auf das vorangestellte Tomte-Zitat ebenfalls eine Tomte-Zeile: 

"Die Schönheit der Chance, 
dass wir unser Leben lieben, 
so spät es auch ist. 
Das ist nicht die Sonne, die untergeht, 
sondern die Erde, die sich dreht."


Sonntag, 1. April 2012

Sieben Sachen am 01.04.2012

Auch heute wieder gibt es auch von mir Sieben Sachen am Sonntag. Nach einer wunderbaren Idee von Frau Liebe, auf deren Seite ich immer und immer wieder gerne lese.

Immer wieder Sonntags ... Sieben Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für fünf Minuten oder fünf Stunden ist unwichtig.

1. Die blaue Stunde morgens mit einem großen Pott grünem Tee und Vogelgezwitscher auf dem Balkon verbracht. Einer meiner Muskel meint Party machen zu müssen und zuckt im Sekundentakt - ausgesprochen kontraproduktiv, wenn man schlafen möchte.


2. Sonnenstrahlen in Weihrauchluft eingefangen






3. Im wunderschönen Landshut ganz oft auf den Auslöser gedrückt


4. Einige dieser Gläser leer getrunken, ...


5. ... meine Finger nach dem Bruschetta-Verputzen abgeschleckt ...


6. ... und einen Espresso erst zur Nase, dann zum Mund geführt.


4.-6. übrigens alles unter dieser wunderbar blühenden Blutpflaume bei zwar nur 10 Grad, aber allerbestem Kaiserwetter - hach, ich liebe den Frühling!


7. Bei meiner Schwester im Garten gemopste, knospende Blutpflaumenzweige in meine lilafarbene (sieht man jetzt nicht wirklich...) Lieblingsvase gesteckt und Ostereierlein drangehängt.

Den Rest des Tages werde ich meinen immer noch zuckenden Muskel weiter mit Magnesium beruhigen und mit einem Buch die Couch bewachen. 

Sonntag, 25. März 2012

Sieben Sachen am 25.03.2012

Auch heute wieder gibt es auch von mir Sieben Sachen am Sonntag. Nach einer wunderbaren Idee von Frau Liebe, auf deren Seite ich immer und immer wieder gerne lese.

Immer wieder Sonntags ... Sieben Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für fünf Minuten oder fünf Stunden ist unwichtig.


1. meinen Frühstückskaffee bei 6 Grad in der Morgensonne auf dem Balkon getrunken - eindeutig Wanderwetter!



2. die Wanderschuhe geschnürt und bei einer ersten kleinen Rast köstliche Trauben am Flussufer gegessen. Und Kekse. Und Brezen. Und Bananen.



3. bei der großen Mittagsrast meinen Saft in den Fluss gelegt zum Kühlen - und wieder rausgefischt zum Durstlöschen



4. viele viele Kiesel umgedreht auf der Suche nach flachen runden Exemplaren



5. und Steine flitschen lassen - ich bin ziemlich schlecht, mein heutiger Rekord lag gerade mal bei 4 Flitschern




6. mich mit den Händen auf diesen Baum hochgezogen. Der sah so einladend aus - und tatsächlich ist er wirklich bequem. Man kann auf ihm prima die Beine und die Seele baumeln lassen.



7. und nach der Heimkehr an der Uhr gedreht



Samstag, 24. März 2012

Das geheime Prinzip der Liebe - Hélène Grémillon


"Die Liebe ist ein geheimnisvolles Prinzip, ihr Ende noch viel mehr. Man weiß vielleicht, warum man liebt, aber niemals, warum man nicht mehr liebt." (S. 37)

Camille bekommt seit dem Tod ihrer Mutter Briefe. Briefe, die eine seltsame Geschichte erzählen, eine Geschichte voller Liebe und Hass, eine Geschichte von Selbstaufgabe, Freundschaft, Rache und vor allem voller Geheimnisse. Und je mehr Briefe eintreffen, desto mehr wächst das beklemmende Gefühl, dass Camille nicht nur außenstehende Leserin ist, sondern etwas mit dem zu tun hat, was passiert.
Annie, junge Malerin aus der Champagne, erklärt sich bereit, für ihre ungewollt kinderlose Gönnerin Madame M. ein Kind auszutragen. Und mit dieser Entscheidung beginnt eine folgenschwere und verwickelte Kette von Ereignissen, die den Leser ebenso wie Camille in ihren Bann schlägt.

Hélène Grémillon erzählt in diesem bezaubernden Buch auf elegante Weise, ja beinah tänzerisch, eine wirklich spannende und berührende Geschichte von ganz großen Gefühlen und großer Niedertracht. In mehreren, sich nur langsam verflechtenden Erzählsträngen zeichnet die Autorin ungemein plastische Figuren und fügt langsam, ganz nach und nach und nach vielen überraschenden Wendungen die losen Enden zusammen. Die Figuren, die Art der Erzählung und vor allem die intensive Sprache wecken im Leser starke Emotionen, die zwischen tiefem Mitgefühl und beinah körperlich empfundenen Abscheu oszillieren.

Ich mochte die Vielstimmigkeit der Erzählung sehr, die Undurchsichtigkeit, die sich nur langsam lichtet, die authentische Darstellung großer Gefühle - positiver ebenso wie negativer - und die wunderbare Sprache. Ganz besonders mochte ich die raffinierte Konstruktion in diesem Roman und die Ausgestaltung der Erzählperspektive.
An dieser Stelle möchte ich auch ein großes Lob an die Übersetzerin aussprechen - tolle Arbeit!

Trotz klitzekleiner Unstimmigkeiten im Plot möchte ich diesen meisterhaft konstruierten Roman gerne ohne Einschränkung weiterempfehlen.

Montag, 19. März 2012

Sieben Sachen am 18.03.2012

Auch heute gibt es von mir wieder Sieben Sachen am Sonntag. Nach einer wunderbaren Idee von Frau Liebe, auf deren Seite ich immer und immer wieder gerne lese.

Immer wieder Sonntags ... Sieben Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für fünf Minuten oder fünf Stunden ist unwichtig.


1. Balkonmöbel abgewischt und die Vormittagssonne ein wenig genossen


2. nach einem langen Spaziergang die Schuhe ausgezogen


3. zwei Schluck schwarzes Glück aus einer meiner Lieblingstassen geschlürft. Und dazu Karamellkekse - die spartanische Variante des Sonntagssüß'


4. das heiße Bügeleisen über Pyjamahosen geschoben


5. laaaaange telefoniert und die Vorzüge von Bangkirai als Terrassenbelag diskutiert


6. meine grüne Glasschale mit Bastbällen befüllt - jetzt brauche ich nur noch Narzissen


7. Schildchen von meiner neuen Laufhose abgeschnitten - und damit beschlossen, das Laufen wieder anzufangen

Sonntag, 18. März 2012

Der Schwimmer - Zsuzsa Bánk


"Von uns gab es keine Spuren. Wir hinterließen nichts. (...) Später fing ich an, Steine, Federn oder Geldstücke in den Häusern zu verstecken, in denen wir eine Zeitlang gelebt hatten und die wir wieder verließen. Ich versteckte sie in den Schränken, über Türrahmen, hinter Fenstern und in Öfen. Ich vergaß nicht eines meiner Verstecke. Ich dachte an sie, Monate später. Jahre später." (S. 39)

Kata und Isti sind unterwegs. Mit ihrem Vater sind sie unterwegs durch ganz Ungarn, von einer zeitweiligen Unterkunft bei Verwandten zur nächsten. Immer nur provisorisch, immer nur für kurz, nie für immer. Nie kommen sie wirklich an. Die Mutter hat sich aufgemacht in den Westen, als es in Ungarn unruhig wurde, sie hat sich davongestohlen in ein besseres Leben, voller Hoffnung auf das Glück und die Erfüllung ihrer Träume.
Und Kata, Isti und ihr Vater bleiben allein zurück und führen das Leben von Vagabunden ohne Halt, ohne wirkliches Zuhause, immer auf der Durchreise. Kálmàn, der Vater, gleitet durch das Leben (oder gleitet das Leben an ihm vorbei?), er treibt lethargisch dahin und taucht stundenlang in sich selbst ab - und seine Kinder sind "bloß zwei Zusätze, die an ihm, an seinem Leben klebten und die er nicht mehr loswurde." (S. 229)

Zsusza Bánk erzählt eine Geschichte vom unmöglichen Glück und einer Welt, die ihre Mitte verloren hat, eine Geschichte von Träumen, Trauer und Heimatlosigkeit.
Unverwechselbar erzählt sie mit der Stimme Katas in ganz einfachen Worten die herzzerreißende Geschichte zweier Kinder auf einer sehnsüchtigen Suche nach Heimat, auf einer ziellosen Reise durch das Ungarn der 50er und 60er Jahre. Melancholisch, klar und einfach, mit starken Bildern und einer wirklich einnehmenden Atmosphäre wird dieser Roman in 17 Kapiteln erzählt, deren jedes eine der auftretenden Figuren zum Zentrum wie zum Titel hat. Trotz der reduzierten Sprache ist "Der Schwimmer" keineswegs ein leichter Roman - ganz im Gegenteil, man liest lange an diesen 285 Seiten. Und diese wenigen Seiten bleiben einem noch länger im Gedächtnis.

"Der Schwimmer" lesen, das ist, wie schleichend immer tiefer in warmes, sommerschweres Wasser zu gehen und langsam, ganz langsam hinuntergezogen werden an einem schwül-heißen Sommertag. Wehmütig-schön ist dieses Buch, ganz sanft und gleichzeitig erdrückend schwer. Mir gefällt das. Mir gefällt das sogar sehr. Ein kleines Stück ganz große Literatur.